Wärmebrückennachweis nach DIN 10211

Der Wärmebrückennachweis nach DIN 10211 und DIN 4108-2 ist für den Nachweis eines Energie-Effizienzhauses 55% und besser unerlässlich. Der Nachweis mus von einem zertifizierten Wärmebrückennachweisführenden nach DIN 10211 erstellt werden.

Die Berücksichtigung von Wärmebrücken im Neubau sowie bei der Gebäudesanierung ist inzwischen immer wichtiger geworden.

Der detaillierte Wärmebrückennachweis und Gleichwertigkeitsnachweis

Detaillierter Wärmebrückennachweis eines Deckenanschlusses, Energieberater

Mit der immer weiter zunehmenden Verbesserung der Dämmung an der Gebäudehülle treten Wärmebrücken immer weiter in den Vordergrund. Häufig ist zu lesen bzw. und zu hören, dass nach dem Aufbringen einer Außenwanddämmung plötzlich in Innenräumen feuchte Stellen auftreten. Entgegen der allgemein landläufigen Meinung liegt das in den seltensten Fällen an der Außenwanddämmung. Das liegt eher daran, dass der Fachhandwerker die Wärmebrücken, die an jedem Gebäude vorhanden sind, nicht vorher geplant und diese außer Acht gelassen hat. Die häuftigsten Fehler bei der nachträglichen Dämmung von Außenwänden sind im Sockelbereich zu finden. Die senkrechte Abdichtung im Sockelbereich sowie die notwendige Überdeckung der Außendämmung über die Bodenplatte werden häufig aus Kostengründen vernachlässigt. Sofern die Dämmung nicht wenigstens 50 cm die Kellerdecke/ Bodenplatte überdeckt, entsteht im Sockelanschluss auf der Innenwand eine große Wärmebrücke.

Die Kosten für einen detaillierten Wärmebrückennachweis betragen für ein freistehendes Einfamilienhaus ab 1.700 € zzgl. Mwst.

 

Jetzt eine unverbindliche Anfrage stellen

Informationen zum Wärmebrückennachweis

Definition der Wärmebrücken

Wärmebrückennachweis Außenwandecke Darstellung des IsothermenverlaufsEine Wärmebrücke ist eine lokale Stelle in der Gebäudehülle in der mehr Wärme abfließt als in der angrenzenden Hüllfläche. In einem beheizten Gebäude oder Raum fließt die Wärmeenergie immer vom wärmeren Medium zum kälteren Medium. Das bedeutet, dass im Winter immer die Wärme von innen nach außen geht. Sofern an einer Stelle mehr Wärme durch das Bauteil verloren geht, stellt sich auf der Innenraumseite eine kältere Oberflächentemperatur ein. In einer Raumecke (Außenwand) ist beispielsweise die Innenfläche kleiner als die dazugehörige Außenwandfläche. Demzufolge fließt die Wärmeenergie über die größere Außenfläche stärker ab und raumseitig sinkt die Temperatur (geometrische Wärmebrücke). Sofern Außenbauteile keinen ausreichenden Wärmeschutz besitzen, ist die Gefahr einer Kondensatbildung und in der weiteren Folge eines Schimmelpilz groß.

Welche Arten von Wärmebrücken werden unterschieden?

Wärmebrückennachweis Rollokastens Darstellung der TemperaturübergängenWie bereits oben erwähnt haben wir es zum einen mit geometrischen Wärmebrücken und zum anderen mit material- und konstruktionsbedingten Wärmebrücken zu tun. Geometrische Wärmebrücken sind beispielsweise Außenwandecken oder der Traufanschluss vom Dach am Kniestock. Der Einbau von Rolladenkästen sind z. B. zu den materialbedingten Wärmebrücken zuzordnen. Das Auflager der Betondecke auf dem Außenwandmauerwerk ist beispielsweise den konstruktionsbedingten Wärmebrücken zuzuordnen. Sie erkennen sicherlich selbst, dass es fast unmöglich ist Wärmebrücken zu vermeiden. Das Problem ist auch nicht unbedingt das Vorhandensein einer Wärmebrücke. Sondern eher darin, dass die Wärmebrücke nicht ausreichend erkannt und diese geplant wird. Ich bin der Meinung, dass mit den am Markt erhältlichen Bauprodukten es möglich ist, jede Wärmebrücke im Neubau so zu planen, dass keine langfristigen Schäden am Bauwerk entstehen.

Jetzt eine unverbindliche Anfrage stellen

Berücksichtigung der Wärmebrücke im energetischen Nachweis:

In diesem Artikel möchte ich nicht weiter auf die Darstellung und Sichtbarkeit der Wärmebrücken eingehen. Wie Wärmebrücken grafisch sichtbar gemacht werden können, können Sie in meinem Artikel „Thermografie – Gebäudethermografie“ nachlesen. In diesem Artikel möchte ich mich hauptsächlich auf den Wärmebrückennachweis beschränken.

detaillierter Wärrmebrückennachweis des Dach-Wandanschluss in Nürnberg

Bei der nachträglichen Dämmung eines Altbaus sollte die Dämmebene unterbrechungsfrei angebracht werden. Neben schwer vermeidbaren Wärmebrücken im Bereich der Kellerdecke/Bodenplatte kann das auch bei einer Außenwanddämmung nicht so einfach werden. Verschiedene bestehende Bauelemente wie Balkonplatten und Vordächer ragen über die Außenwand hinaus und unterbrechen zwangsläufig die wärmegedämmte Gebäudehülle. Gerade auf diese Details gehe ich in der Energieberatung für Wohngebäude ein.

Nebenstehend sehen Sie einen detaillierten Wärmebrückennachweis eines Traufanschlusses von einem massiv gemauerten Wohngebäude mit Dachstuhl und Zwischensparrendämmung. Neu gebaute Häuser werden inzwischen mindestens im Standard von Effizienzhäusern 55%, 40% oder sogar als Passivhäuser ausgeführt. Gerade bei diesen hochwärmegedämmten Gebäuden müssen die Wärmebrücken bis auf ein Minimum reduziert werden. Wenn möglich sollte der Wärmebrückenzuschlag gegen 0 W/m²K gehen. In einem Einfamilienwohnhaus müssen in der Regel zirka 15-20 unterschiedliche Wärmebrücken berechnet und berücksichtigt werden.

Das sind zum Beispiel:

  • Bodenplatte-Fundamentanschluss
  • Fensterbrüstung
  • Fensterleibung
  • Fenstersturz/ Rolladenkasten
  • Außenwandecken
  • Traufanschluss

In der DIN 4108-6 und der DIN V 18599-2 ist geregelt wie die Wärmebrücken in der Wärmebedarfsberechnung berücksichtigt werden müssen. Wärmebrücken können nach drei unterschiedlichen Möglichkeiten in die Berechnung einfließen.

  • ohne Nachweis, Berücksichtigung der Wärmebrücke mit einem pauschalen Zuschlag von Δuwb = 0,10 W/m²K bzw. 0,15 W/m²K bei Innendämmungen
  • mit einem Gleichwertigkeitsnachweis, Berücksichtigung der Wärmebrücken mit einem verminderten Zuschlag von Δuwb = 0,05 W/m²K
  • mit einem detaillierten Wärmebrückennachweis, der Wärmebrückenzuschlag beträgt bei Neubauten in der Regel zwischen Δuwb = 0,00 bis 0,02 W/m²K und  bei der Altbausanierung zwischen Δuwb =0,05 W/m²K und 0,04 W/m²K.

Nachweis der Oberflächentemperaturen nach DIN 4108-2

frsi-Wert einer Fensterbrüstung

Bereits in der Planung von Bauwerken müssen Bausteilanschlüsse so geplante werden, damit diese nach DIN 4108-2 schimmelpilzfrei sein – und das über den gesamten Nutzungszeitraum des Gebäudes. Für die Planung von Anschlussdetails ist in der DIN 4108-2 das Beiblatt 2 enthalten. In diesem Beiblatt sind die wichtigsten Wärmebrückendetails und deren Kennwerte enthalten. Sofern ein spezieller Anschluss daran fehlen sollte berechne ich mit Hilfe eines Isothermenprogramms den frsi-Wert des Bauteilanschlusses. Damit die Oberflächentemperatur im kritischen Bereich der Wärmebrücke über 12,6°C liegt muss der frsi-Wert >0,7 sein. Gerade bei einem Fensteraustausch wird die kritische Temperatur von 12,6°C in Fensterleibungsanschluss häufig unterschritten.

Die Folge daraus ist oft ein Schimmelpilz in der Fuge zwischen Fensterleibung und Fensterrahmen. Am häufigsten wird die Temperatur in den Ecken zur Fensterbank oder am Fenstersturz bzw. Rollokasten unterschritten. Gerade in der Gebäudesanierung ist ein Wärmebrückenkonzept unerlässlich. Wenn der Wärmeschutz der Außenwand geringer ist als der Wärmeschutz des Fensterelementes wird der frsi-Wert grundsätzlich immer unterschritten. Die Anschlussdetails im Beiblatt 2 der DIN 4108-2 sind eigentlich nur für den Neubau von Wohngebäuden gedacht. Wärmebrückendetails in der Sanierung fehlen darin leider. Um sicherzustellen dass nach dem Fensteraustausch in der Fensterleibung kein Schimmelpilzbefall entsteht muss der Anschluss mit einem Wärmebrückenprogramm im Detail nachgewiesen werden. Ich empfehle immer Anschlussdetails derartig auszubilden, damit der frsi-Wert mindestens über 0,8 liegt. Gerade wenn die Luftfeuchtigkeit im Raum über 50% liegt oder die Raumtemperatur etwas absinkt, kann sich sonst schon leicht ein Schimmelpilz bilden.

Gründe für die Berücksichtigung der Wärmebrücken

Bei der Neubauplanung sowie bei der energetischen Sanierung von Wohngebäuden sind in der Energieeinsparverordnung (EnEV) zul. Maximalwerte für den Transmissionswärmeverlust angegeben. Sofern Wärmebrücken nicht nachgewiesen werden muss in der Energiebedarfsbrechnung ein Wärmebrückenzuschlag von Δuwb von 0,10 W/m²K angesetzt werden. Nachstehend möchte ich ihnen kurz erläutern was das für Folgen hat.

Detaillierter Wärmebrückennachweis eines SockelanschlussesNehmen wir hierfür ein monolithischen Ziegelmauerwerk mit Innen- und Außenputz an. Der U-Wert der Außenwand (je nach Art des Ziegelsteins) hat einen Wärmedämmwert von ca. 0,09 W/m²K. Mit dem Wärmebrückenzuschlag von 0,10 W/m²K wird das Bauteil (Außenwand) mit 0,09+0,10= 0,19 W/m²K in der Berechnung berücksichtigt. Sie sehen also, dass bei diesem Bauteil der Wärmebrückenzuschlag in der Berechnung ihr Bauteil um 100% verschlechtert. Um den rechnerisch hohen Energieverlust auszugleichen muss ihr Fachingenieur der die energetische Berechnung aufstellt, die Wärmedämmung entsprechend verstärken müssen. Nur so können die gesetztlichen Anforderunge der EnEV eingehalten und die rechnerisch „hohen Energieverluste“ ausgeglichen werden.

Viele Energieberater oder Ingenieure die den rechnerischen Gebäudenachweis durchführen berücksichtigen noch keinen reduzierten Wärmebrückenzuschlag. Das liegt zum einen daran, dass der Wärmebrückenachweis recht zeitaufwendig ist und zum anderen, dass nicht sehr viele Ingenieurbüros diese Berechnungen durchführen.

Hierzu noch ein kleines Beispiel aus meiner Praxis:

In einem Wohngebäude ist im Schlafzimmer am Deckenanschluss von der Außenwand zur Stahlbetondecke ein Schimmelpilzbefall aufgetreten. Der Verdacht liegt allerdings nahe, dass das Schlafzimmer nicht ausreichend beheizt und gelüftet wird. Das Heizverhalten und Lüftungsverhalten habe ich daraufhin zuerst mit einem Datenlogger mit einer Langzeitaufnahme überprüft. Die Aufzeichnung ergab keine großen Auffälligkeiten im Heiz- und Lüftungsverhalten. Dennoch entsteht nach Aussage des Eigentümers, immer wenn die Außentemperatur über einen längeren Zeitraum absinkt, ein kleiner Schimmelpilzbefall an der Deckenanschlussfuge.

Deckenanschluss -Reduzierung der Wärmebrücke in der Sanierung

Deckenanschluss zu unbeheizten Bodenraum

Mit einer Wärmebrückenberechnung habe ich daraufhin den Deckenanschluss nachgerechnet. Das Ergebnis war ernüchternd. Die Grenztemperatur am Decken- und Wandanschluss beträgt raumseitig nur ca. 10,5°C. Die Temperatur von 12,6°C wird an diesem Anschluss um ca. 2°C unterschritten. Bereits bei diesen raumklimatischen Verhältnissen von 20°C und 50% relativer Luftfeuchtigkeit fällt bereits Schimmelpilz aus. Wenn dann noch die Luftfeuchtigkeit über 50% ansteigt, was in einem Schlafzimmer keine Seltenheit ist, steigt das Risiko eines Schimmelpilzbefalls noch weiter erheblich an.

Sanierung des Deckenanschlusses zum unbeheizten Bodenraum

Nebenstehend sehen Sie ein Beispiel wie ich das Problem der Wärmebrücke gelöst habe. Im Bodenraum wird eine Wärmedämmung auf der Giebelwand und auf der Betondecke aufgebracht. Diese Maßnahmen alleine reichen aber noch nicht aus, um die Grenzetemperatur von 12,6°C einzuhalten. Erst nach dem Aufbringen einer Außenwanddämmung ist der Deckenanschluss schimmelpilzfrei. Die Temperatur im Eckbereich erhöht sich dadurch von 10,5 °C auf 16,9°C . Der frsi-Wert liegt somit deutlich über 0,7. Demzufolge bleibt der Anschluss bei Einhaltung der Normbedingungen schimmelpilzfrei.

Zuschüsse zum Wärmebrückennachweis

Sofern Sie für ihren Wohnhausneubau oder Gebäudesanierung staatliche Förderhilfen oder Zuschüsse in Anspruch nehmen, muss ein Wärmebrückenkonzept erstellt werden. Im Rahmen der Baubegleitung (KfW-Programm 431) fördert die KfW-Bank den Aufwand für die Erstellung des Wärmebrückenkonzeptes sowie dem Wärmebrückennachweis. Allerdings darf das  Wärmebrückenkonzept nicht mit der Wärmebrückenberechnung verwechselt werden. Im Wärmebrückenkonzept werden noch keine Wärmebrücken nachwegewiesen. Darin werden nur die Anschlüsse aufgeführt für die eine Wärmebrückenberechnung erforderlich ist. Von der KfW-Bank erhalten Sie im Rahmen der Baubegleitung einen Zuschuss für den Wärmebrückennachweis.

Kosten für einen Wärmebrückennachweis

Die Kosten für einen detaillierten Wärmebrückennachweis betragen für ein freistehendes Einfamilienwohnhaus ab 1.700 € zzgl. Mwst. Die Kosten sind stark von der Gebäudegeometrie und Bauteilen abhängig. Gerne erstelle ich ihnen ein individuelles Angebot für ihren Wärmebrückennachweis.

Sofern Sie KfW-Zuschüsse inkl. der Baubegleitung bei der KfW-Bank beantragt haben, erhalten Sie auch auf den von mir erstellten Wärmebrückennachweis einen Zuschuss in Höhe von 50% der Kosten. Allerdings nur bis zum maximalen Baubegleitungszuschuss in Höhe von 4.000 €.

Jetzt eine unverbindliche Anfrage stellen

Negative Einflüsse der Wärmebrücke

  1. Erhöhter Energieverbrauch:
    An allen Wärmebrücken ist ein verstärkter Wärmeabfluss festzustellen, der zu höherem Heizenergieverbrauch führt. Bei energetisch hochwertig sanierten Gebäuden können diese bis zu 30% des Transmissionswärmeverlustes ausmachen
  2. Beeinträchtigung der thermischen Behaglichkeit:
    Durch Wärmebrücken entstehen im Winter aufgrund des erhöhten Wärmeabflusses auf der Innenseite der Bauteile sehr niedrige Oberflächentemperaturen.
  3. Mangelhafte Wohnhygiene:
    Im Bereich einer Wärmebrücke kann es auf Grund von niedrigen Innenoberflächentemperaturen zu Tauwasserausfall kommen. An feuchten Bauteilflächen sammelt sich Staub.  In Verbindung mit Tapetenkleister oder Wandfarbe bietet dieser einen idealen Nährboden für zum Teil gesundheitliche Schimmelpilze.

WIKIPEDIA

X

Gut

4,9 / 5,0