Wann lohnt sich der Fenstertausch in einem Wohnhaus?

Der Fenstertausch ist eine der häufigsten Sanierungsmaßnahmen im Wohnungsbau. Doch lohnt sich der Austausch der Fenster überhaupt?

  • Was hat der Fenstertausch für Konsequenzen für das Gebäude und dem Wohnraumklima?
  • Wie hoch ist der Kostenaufwand für den Fenstertausch?
  • Und wieviel Dreck entsteht beim Fenstertausch?
  • Muss ich wirklich meine Holzfenster mit Isolierverglasung aus dem Jahre 1990 austauschen?
  • Rechnet sich der Fensteraustausch überhaupt?
  • Wieviel Energie kann ich dadurch einsparen?

Auf alle dieser Fragen gehe ich auf dieser Seite etwas näher ein.

Wobei die Aufzählungen auch nicht vollständig sind. Das sind auch nur einige Fragen auf die ich immer wieder eine Antwort finden muss. Wobei die Antworten für jedes Gebäude und auch für die Eigentümer oder Nutzer unterschiedlich sind. Eine allgemeingültige Antwort gibt es meines Erachtens nicht. Es kommt dabei immer auf den jeweiligen Einzelfall an.

Grundsätzliche Einschätzung für einen Fenstertausch

Grundsätzlich hängt die Entscheidung für den Austausch der Fenster von zwei Faktoren ab.

Das ist zum einen:

  • de Zustand der alten Fenster

und zum anderen:

  • der Wärmeschutz der Gebäudehülle (Außenwände und Dachflächen) sowie

Sofern in ihrem Wohnhaus noch Fenster mit einer Einscheibenverglasung eingebaut sind sollten Sie grundsätzlich über kurz oder lang die Fenster austauschen. Aber auch Fenster die bereits 30 Jahre oder noch älter sind sollten ausgetauscht werden. Allerdings kann ich nur jedem Eigentümer raten sich nicht allein auf den Fensterbauer zu verlassen. Das Fenster muss zum Gebäude und deren Nutzung passen. Der Wärmeschutz sowie die Luftdichtigkeit der Fenster verändert nach dem Fenstertausch die Bauphysik des Gebäudes grundlegend. Unter anderem muss die Fachfirma die mit der Fenstererneuerung beauftragt wird ein Lüftungskonzept erstellen, wenn mehr als ein Drittel der Fenster in einer Wohnung ausgetauscht werden. Die neuen Fenster sind wesentlich dichter als die alten Fenster. Dazu ist der Wärmeschutz um ein vielfaches höher. Auf diese Veränderungen der Bauphysik müssen sich die Wohnungsnutzer einstellen.

Im Rahmen der Energieberatung für Wohngebäude erhalten Sie für ihre Gebäude ein energetisches Gutachten zur energetischen Gesamtsanierung oder nur zum Fensteraustausch. Das Bafa fördert eine Vor-Ort-Energieberatung bis zu 60% der Kosten. Hier können Sie weitere Informationen zur Förderung von energetischen Sanierungen nachlesen.

Erneuerung der Fenster mit Einscheibenverglasung

Fenstertausch Holzfenster mit Einscheibenverglasung Energieberater Hof bis Nürnberg

Sofern der Wärmeschutz der Gebäudeaußenhülle zumindest dem Mindestwärmeschutz der DIN 4108-2 von 1977 entspricht, sollten Sie über den Austausch der Fenster nachdenken. Fenster mit einer Einscheibenverglasung besitzen einen Wärmedämmwert von etwa 4,7 W/m²K (U-Wert). Sehr häufig sind diese Fenster noch in alten Bauernhäuser oder aber auch in denkmalgeschützten Gebäuden eingebaut. Der Wärmeschutz der oben genannten Außenbauteile ist in der Regel ebenfalls sehr schlecht. Demzufolge dürfen diese Fenster nicht ohne Weiteres ausgetauscht werden. Vor allem müssen Sie sich Gedanken über die Raumlüftung machen. Der Fenstertausch bei diesen Gebäuden kann fatale Folgen haben. Ich empfehle bei einem Fenstertausch keine Fenster einzubauen die einen höheren Wärmeschutz haben als den die EnEV bei einem Austausch fordert. Zusätzlich sollten Sie Außenwandluftdurchlässen sogenannte ALD´s in den Stockwerken anordnen. Fensterfalzlüfter allein werden hier nach meiner Einschätzung nach nicht ausreichen. Nach Möglichkeit sollten Sie auf eine warme Kante der Verglasungen verzichten.

Erneuerung der Fenster mit Isolierverglasung

Fenstertausch, Isolierglas Fenster mit Rollladen, Energieberater Hof bis Nürnberg

Sehr häufig sind Fenster mit einer Isolierverglasung in Gebäuden aus dem Jahre 1950 bis 1990 eingebaut. Auch bei diesen Gebäuden müssen Sie darauf achten, dass der Wärmeschutz der Außenbauteile auf jeden Fall besser ist als der Wärmeschutz der Fenster. Kunststofffenster mit Isolierverglasungen besitzen einen U-Wert von etwa 2,7 W/m²K. Der Wärmeschutz der Außenwände liegt allerdings nur etwa zwischen 1,5 und 1,2 W/m²K. Der U-Wert der Dachschrägen und obersten Geschossdecke liegt, sofern noch keine energetische Sanierung vorgenommen wurde, etwa bei 2,0 W/m²K. Die Erneuerung der Fenster mit einem U-Wert von 1,8 W/m²K können bereits problematische Auswirkungen haben.

Bei diesen Fenstern wird nicht nur der Wärmeschutz der Außenbauteile überschritten, sondern auch die Luftdichtigkeit wesentlich erhöht. In diesen Gebäuden ist der nutzerunabhängige Luftwechesel durch Undichtigkeiten an den Fenstern nach einem Austausch nicht mehr sichergestellt. Ohne weitere lüftungstechnische Maßnahmen kommt es nach einem Fenstertausch sehr häufig zu Feuchtigkeitsausfall an Wärmebrücken oder anderen kalten Stellen. Die Folge daraus ist unweigerlich ein Schimmelpilzbefall.

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Erneuerung der Fenster mit Wärmeschutzverglasung

In Gebäuden in denen bereits Fenster mit einer Wärmeschutzverglasung eingebaut sind, können in der Regel neue Fenster mit einer Dreifachverglasung eingebaut werden. Diese Gebäude wurden in der Vergangenheit bereits fast immer schon energetisch modernisiert. Ansonsten sind Fenster mit einer Dreifach-Wärmeschutzverglasung nur für hochwertig gedämmte Gebäude wie beispielsweise ein Effizienzhäuser sinnvoll. Das Problem ist eigentlich nicht der sehr gute Wärmeschutz der Fenster sondern eher die hohe Luftdichtigkeit. Die im Gebäude entsehende Luftfeuchtigkeit ist schnell nach außen abzführen. Aufgrund der hohen Luftdichtigkeit dieser Fenster ist diese Forderung leider nicht mehr gegeben. Die Raumlüftung über Fenster öffnen und schließen ist in der Regel nicht dauerhaft möglich.

Fenstertausch lediglich durch Erneuerung der Verglasung

Fenstertausch Fensterflügel mit Überschlag der Dichtung

Bei verschiedenen Fenstern ist es auch möglich nur die Verglasung auszutauschen. Dadurch wird der Wärmeschutz der Fenster um einiges verbessert. Die „natürliche Lüftung“ wird dadurch aber nicht oder nur unwesentlich beeinflusst. Ob das aber allerdings Sinn macht ist auch vom Einzelfall abhängig. Meiner Meinung ist das eine Lösung bei Holzfenster zum beispiel mit glasteilenden Sprossen. Die Rahmenprofile der Holzfenster besitzen einen vernünftigen Wärmeschutz. In der Regel sind diese Fenster luftdicht im Mauerwerk eingebaut und eingeputzt. Das größere Problem dieser Fenster ist häufig der Wetterschutz. Die Fenster sind außenseitig regelmäßig zu streichen. Ein Lösung für dieses Problem kann zum Beispiel eine außenseitige Verkleidung der Holzprofile mit Aluprofilen sein. In diesem Zuge werden die Verglasungen ausgetauscht und die Holzrahmen verkleidet.

Wann ist der Fenstertausch wirtschaftlich?

Fenstertausch, Fensterprofil eines 25 Jahre alten Holzfenster, Energieberater

Die Wirtschaftlichkeit der Erneuerung der Fenster ist von vielen Faktoren abhängig. Die Frage ist auch ob Sie nur die Mehrkosten für die energetische Modernisierung ansetzen oder die kompletten Fensterkosten. Dann kommt es auch auf das Alter der Fenster an. Bei einem 30 Jahre alte Fenster können sie davon ausgehen, dass Sie das Sowieso erneuern müssen. Die Beschläge schließen meist nicht mehr richtig. Die Glasscheiben laufen im Scheibenzwischenraum ebenfalls häufig an. Der Einbruchschutz dieser Fenster ist auch nicht zu unterschätzen. Gerade Terrassentüren mit Kunststoffprofilen besitzen so gut wie keinen Einbruchschutz. Diese lassen sich bereits mit einem Schraubendreher in 2 Sekunden öffnen. Die reinen energetischen Mehrkosten betragen für ein Normfenster mit der Größe 1,25 x 1,50 m bei zirka 75 und 85 € je Fenster.

Als Energieberater beantworte ich selbstverständlich alle ihre Fragen rund um die Erneuerung der Fenster.

Weitergehende Links zur Fenstermontage und RAL-Abdichtung

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